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     Die erste Nacht

       Da es mittlerweile schon sehr spät geworden war, schlug Angie vor, zu Bett zu gehen. Sie wollte uns
       noch unser Schlafzimmer zeigen und sich dann zurückziehen. Ihre beiden Assistentinnen würden uns
       behilflich sein und jederzeit zur Verfügung stehen. Wir gingen in das Haus und dort eine Etage tiefer
       in den Keller. Angie erzählte uns dabei, daß sie ihren Gästetrakt in den Keller verlegt hätte, da es
       dazu einen eigenen Eingang gab und somit Langzeitbesucher gehen und kommen konnten wann sie
       wollten.

       Am Ende eines langen Flures schloß Angie eine Tür auf und schaltete das Licht im Schlafzimmer an.
       Nena hatte Angst, daß uns Angie in diesem Zimmer einschließen würde. Angie antwortete darauf
       nur, daß das nicht notwendig sein wird.

       An einer Seitenwand stand ein breites Doppelbett, das mit einer ganz flauschigen nachtblauen
       Wolldecke bezogen war. Auch die Bezüge der Kopfkissen waren aus dem gleichen Material. An zwei
       Wänden waren deckenhohe Schränke angebracht, die Wand gegenüber des Bettes war leer.

       Bevor Angie sich verabschiedete, sagte sie uns, daß wir ab sofort Sprechverbot hätten, zog die
       Reißverschlüsse an unseren Mündern zu und schloß sie wieder mit den Vorhängeschlössern ab. Wir
       sollten vollstes Vertrauen in ihre Helferinnen haben, die uns nun für die Nacht vorbereiten würden.
       Sie ging aus dem Raum und ließ die Tür hinter sich sanft ins Schloß fallen.

       So standen wir nun in der Mitte des Raumes. Cora, die etwas kleiner als Sheila war, kam auf uns zu
       und fing an, die Wollsocken, die unsere Arme so fest zusammenhielten, zu entfernen und die Schals,
       mit denen wir gefesselt waren, loszubinden. Es war ein herrliches Gefühl, als ich die Finger meiner
       rechten Hand wieder bewegen konnte. Nena ging es mit ihrer linken Hand genauso. Wir wollten uns
       schon auf den Weg ins Bett machen, als uns Cora bedeutete, daß wir warten sollten. Sie sprach dabei
       kein Wort.

       Dann führte sie uns in ein Seitenkabinett. Auch Sheila war mittlerweile hereingekommen. Auf einer
       Kommode lagen fein säuberlich sortiert jede Menge Wollsachen. Als uns Cora jeweils eine dicke
       Wollhose zum Anziehen reichte, fing Nena an zu protestieren. Sie meinte, das sei doch nun des
       Guten ein bißchen zuviel und weigerte sich, die Hose anzuziehen. In diesem Moment betrat Angie
       mit einer zornigen Mine das Kabinett. "Ich hatte euch doch Sprechverbot erteilt. Wollt ihr haben,
       daß es euch genau so ergeht wie Cora und Sheila? Damit dies nicht noch mal passiert, muß ich wohl
       vorbeugen."

       Nena und ich sagten keinen Ton. Widerstandslos zogen wir die Wollhosen an. Dann kamen
       Kniestrümpfe und ein dicker Wollpullover mit hohem Rollkragen und darüber noch einmal genau die
       gleiche Schicht. Unsere Bewegungsfreiheit war schon etwas eingeschränkt und es wurde uns wärmer
       und wärmer.

       Angie gab sich aber nicht zufrieden. "Damit ihr nicht auf dumme Gedanken kommt, müssen euch
       meine Helferinnen noch etwas einpacken", sagte sie. Sheila brachte jedem von uns ein Paar wollene
       Fausthandschuhe mit langen Schäften, die wir nur mit Mühe anziehen konnten. "Hände braucht man
       nicht, wenn man schlafen will", bemerkte Angie. Cora kam mit einem dünnen Seil, das sie an einem
       Ende zu einer Schlinge gebunden hatte. Diese Schlinge streifte sie über den Daumen meiner rechten
       Hand und zog sie zu. Dann mußte ich eine Faust ballen, den Daumen in der Faust, und Cora fing an,
       das etwas zwei Meter lange dünne Seil um meine Faust zu wickeln. Gleich darauf war auch meine
       linke Hand ebenso verschnürt. Sheila hatte derweil Nenas Hände in der gleichen Art und Weise
       verpackt. Um die Seile zu verstecken, bekamen wir noch ein Paar Kniestrümpfe über unsere
       Unterarme gezogen. Unsere Hände waren also nun zu nichts mehr zu gebrauchen.

       Jetzt lagen nur noch zwei Pullover auf der Kommode. Ich freute mich schon, daß es jetzt endlich
       Schluß sei und wir zu Bett gehen konnten. Die beiden Assistentinnen zogen uns die Pullover über
       unsere Köpfe. Mich störte es auch nicht, daß die Pullover so lange Arme hatten, aus denen die
       Hände nicht hervorschauten, denn die waren ja sowieso unbrauchbar. Das Material war ein anderes
       als das der übrigen Kleidungsstücke, die wir bisher anhatten. Irgendwie viel schwerer und stabiler.
       Ich sollte auch gleich merken warum. Cora und Sheila stellten sich vor mich, griffen sich jeweils
       einen Arm, kreuzten meine Arme vor meiner Brust und verknoteten die Enden hinter meinem
       Rücken. So steckte ich in einer wollenen Zwangsjacke. Nena erging es ebenso.

       "So. Jetzt seid ihr ja fast fertig, um ins Bett zu gehen", bemerkte Angie, die das ganze Treiben genau
       beobachtet hatte. Wir gingen wieder in das Schlafzimmer. Angie zog einen Schlüssel hervor, öffnete
       die Schlösser an unseren Mündern und zog die Reisverschlüsse auf. "Eines will ich euch noch
       gewähren", sagte sie. "Da ich weiß, daß ihr heute Nacht viel schwitzen werdet, was übrigens sehr
       gesund ist, dürft ihr noch einen großen Schluck trinken. Trinkt so viel ihr wollt und könnt." Cora
       führte mir ein großes Glas mit Apfelsaftschorle an den Mund, das ich auch komplett leer trank.

       Dann wurden wir zum Bett geführt und legten uns in die flauschige Decke. Nena lag rechts von mir.
       Die Kopfenden des Bettes waren etwas angehoben, so daß wir freien Blick auf die gegenüberliegende
       Wand hatten.

       "Dann packt sie mal noch gut ein, damit sie sich keine Erkältung holen", befahl Angie mit
       herrscherischem Ton. Cora und Sheila machten sich wieder an uns zu schaffen. Sie fesselten unsere
       Beine an den Fußgelenken, unter- und oberhalb der Knie mit Wollschals. Das saß fest. Unsere
       Bewegungsfreiheit wurde immer mehr eingeschränkt. Dann schleppten sie schwere, wollene, enge
       Schlafsäcke heran in die wir gesteckt wurden. Wir sahen aus wie zwei Mumien. Die Schlafsäcke
       hatten genau die gleiche Naturfarbe wie unsere Kopfhauben. Das einzige was und geblieben war, war
       unser Sehsinn und die Möglichkeit zu sprechen. Ansonsten waren wir fest verpackt.

       "Dann sagt euch noch 'Gute Nacht'", bat uns Angie und wollte schon das Schlafzimmer wieder
       verlassen, als ihr noch etwas einzufallen schien. Mit den Worten "Ich habe ja ganz vergessen, mich
       um euren vorlauten Mund zu kümmern", trat sie neben mein Bett und holte aus dem Nachttisch eine
       graue Norwegersocke hervor. Sie rollte sie zusammen, zog die Öffnung an der Mundpartie meines
       Kopfteils auseinander und steckte mir die kratzige Socke in den Mund. Der Reisverschluß wurde
       zugezogen und der Knebel mit einem roten Wollschal gegen unbefugtes Herausdrücken gesichert.

       Zunächst überkam mich Panik. Ich merkte aber sehr schnell, daß es, wenn auch erschwert, sehr wohl
       möglich war, durch den Knebel zu atmen. Außerdem war ja noch die Nase da. Nena mußte die
       gleiche Prozedur über sich ergehen lassen.

       "Übrigens", sagte Angie. "Ich habe viel Erfahrung damit. Vertraut mir. Was denkt ihr, warum Sheila
       und Cora so stumm sind. Die sind schon seit heute, oder besser gesagt gestern morgen auf die gleiche
       Art geknebelt und werden es auch bleiben. Und wie ihr seht geht es ihnen prächtig."

       "Ich werde jetzt auch zu Bett gehen", verabschiedete sich unsere Gastgeberin. "Genießt die Ruhe der
       Nacht. Ihr wißt ja noch nicht, was noch alles auf euch zukommt. Ihr könnt jetzt noch Cora und
       Sheila beobachten, wie sie sich für die Nacht fertigmachen werden. Mit ein bißchen Übung werdet
       ihr das vielleicht auch mal hinbekommen. Gute Nacht."


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