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Beltane 2007 bei den Externsteinen


Anbei meine Eindrücke von Beltane 2007 bei den Externsteinen.

Es ist schon erstaunlich, seit der Sommersonnenwende 2003 besuche ich regelmäßig die Externsteine. Bereits zu anderen heiligen Tagen war ich bei diesem energiereichen Kraftort. Zur Tag- und Nachtgleiche, zur Wintersonnenwende, und zwischendurch. Doch bis zu diesem Zeitpunkt war mir nicht bekannt, daß es zu Beltaine zu so großen Festivitäten kommt. Sie finden in einem Naturschutzgebiet statt, und sind keineswegs erlaubt, doch zumindest geduldet. Ich habe mir sagen lassen, daß inzwischen mehr Besucher zu Beltane kommen, als zur Sommersonnenwende. Der Grund ist einfach: der nachfolgende Tag ist immer ein Feiertag.

Ein ehemals heidnischer Feiertag wurde kurzerhand umbenannt, und trägt die christliche Bezeichnung "Walpurgisnacht". Es ist die Nacht vom 30. April auf den 1. Mai, gelegentlich findet sich viel Laufpublikum ein, um "Tanz in den Mai" zu feiern.

Wir wollten am Montag, den 30. April 2007, recht zeitig losfahren. Doch es ist ein ganz normaler Werktag, und aus dienstlichen Gründen konnte ich keinen Urlaub nehmen. Getreu dem Motto: "erst die Arbeit, dann das Vergnügen", waren noch einige wichtige Dinge zu erledigen.

Zum Glück mußte ich nur einen halben Tag arbeiten, danach noch einige Sachen vorbereiten, und gegen 17:00 Uhr wollten wir losfahren. Da wir in der Stadt wohnen, besitzen wir kein Auto mehr. Mit dem Fahrrad, oder mit der S-Bahn, kommt man fast überall schnell hin.Nur die Externsteine sind ein wenig weit weg, so daß sich Conny ein Auto ausgeliehen hat.Doch kennt ihr dieses Gefühl? Vor großen Ereignissen hat man oftmals dieses Grummeln im Bauch, so daß wir beide uns nicht von den Örtlichkeiten entsagen konnten.
Meine Empfehlung, noch etwas Heilerde mitzunehmen, wurde natürlich kategorisch abgelehnt. Da gibt es erstaunlich wenig Diskussionspotential.

Also rauf auf die Piste. Die kürzeste Strecke von Hannover zu den Externsteinen führt über die Bundesstraße 1 - doch da kommt man kaum auf Geschwindigkeit.
Deshalb entschlossen wir uns für die Längste - allerdings schnellste Verbindung. Sie führt über die Autobahn 2 in Richtung Dortmund bis zur Anschlußstelle Paderborn, dort einfach auf die A44.
Einfacher gesagt als getan, denn bereits ab Bad Nenndorf standen wir im dichten Stau. Von meinem Beifahrersitz schaute ich zu Conny hinüber. Mit ihrer Sonnenbrille, in diesem rasantem Sportflitzer, hatte sie diese charmante und leicht distanzierte Ausstrahlung. Diesen kühlen und zugleich sportlichen Blick mag ich besonders an ihr.
Ich hatte gar keine Frage gestellt, und doch kam schon ihre Antwort: "nein, sie hatte vorher keinen Verkehrsfunk gehört, und auch nicht im Internet nach den aktuellsten Staumeldungen geschaut.
Da wir beide keine Lust hatten, mehr als drei Stunden im Stau zu schmoren, entschlossen wir und, die Autobahn zu verlassen. Es war gar nicht mal so einfach, denn wir hatten kein aktuelles Kartenmaterial dabei. So ganz nebenbei meldete sich Connys gereizter Darm. Anscheinend hatte sie sich einen sogenannten "Flotten Otto" eingefangen.
Also ein kurzer Rast beim Fast Food-Restaurant. Denn dort sind die Toiletten weitestgehend benutzbar.

Oh, ich machte einen Fehler, und erwähnte die Heilerde, die ja ganz hervorragend gegen Diarhöe hilft. Leider knirscht sie zwischen den Zähnen. Es gibt einige Themen, wo man nicht darauf herumreiten sollte.

Die Fahrt ging weiter. Mein Orientierungssinn schlug jedoch leider die falsche Richtung vor. Nach einem kleinem Umweg erreichten wir die Bundesstraße 1. Im Nachhinein betrachtet hat sich der Umweg gelohnt. Denn auf der Autobahn rast man nur, und ist hinterher völlig ausgebrannt. Auf dieser kleinen romantischen Landstraße hingegen konnte man völlig entspannt fahren. Es hat richtig Spaß gemacht, zumal wir uns bereits in einem Ausläufer des Weserberglandes befanden. Rauf und runter, in engen Serpentinen, war das Motto.

Inzwischen war es 17:50 Uhr, kurz vor Ladenschluß. Eigentlich egal, doch Conny war inwzischen der Meinung, daß man durchaus doch noch etwas Heilerde holen könnte, falls man eine Apotheke findet. Gegen 18:07 kamen wir durch einen größeren Ort, und die Apotheke hatte sogar noch geöffnet. Der Deal war perfekt, ein kleines Obolus gegen eine originalverpackte Einheit feinster Heilerde, dazu noch ein Becher mit frisch gezapftem Wasser. Conny trank in kleinen Schlucken, es hat ihr richtig gut getan, und bereits nach kurzer Zeit gab ihr gereizter Darm endlich Ruhe.

Von nun an konnte die Fahrt weitergehen. Es war nicht mehr weit. Gegen 18:30 Uhr kamen wir an. In der Ortschaft waren fast überall die Straßen abgesperrt.

Der Grund ist klar:
es kommen derartig viele Besucher, daß noch nicht einmal die Anwohner ihre eigenen Parkplätze benutzen könnten, sofern die Straßen nicht abgesperrt sind. Zum Glück haben wir noch einen Parkplatz bekommen. Wir hatten kein Zelt dabei, da wir keine Lust hatten, einen größeren Aufwand zu betreiben. Lediglich zwei Schlafsäcke hatten wir mitgenommen, um eventuell im Auto, einem Kombi, übernachten zu können. Die Schlafsäcke haben wir im Auto gelassen, und nur unseren Picknick-Korb mitgenommen. Natürlich noch die Phototasche, und die Räucherschale. Ich bin ja kein Freund von Bier und Wein, andererseits gehört es zu solchen Tagen dazu, zumindest in überschaubarer Dosierung.

Wir machten und auf den Weg, denn vom Parkplatz bis zur großen Wiese vor den Externsteinen sind es gut zehn Minuten Fußweg. Kaum angekommen, wurden wir auch schon von Yuppie und anderen Teilnehmern begrüßt. Es ist unglaublich, zu Beltane kommen ca. 5000 Besucher. Doch es ist keine unüberschaubare Menge, sondern eine riesige Gemeinschaft. Wir machten es uns gemütlich, die Decke war kaum ausgerollt, und wir entschlossen uns, in die Nähe der Trommler zu gehen.

Dieses Jahr hatte keine eigene Trommel dabei. Meine Befürchtung war, daß das dünne Fell der Djembe in der feuchten Frühlingsluft schlapp macht, und sich dauerhaft verzieht. Eine glaubwürdige Ausrede, andererseits hatte ich keine Lust, mich abzuschleppen. Als Althippie kommt man eben in die Jahre. Bei den zahlreichen Trommlern die nächste Überraschung. Lauter bekannte Gesichter, eine große Gemeinschaft, man kennt sich vom letzten Jahr.

Voller Freude sah ich Anne, wie sie enthusiastisch auf ihrer Djembe trommelte. Zur Sommersonnenwende freundete sie sich um ersten Mal mit einer Djembe an. Das Zusammenspiel war von gegenseitigem Respekt geprägt. Weder die Djembe noch sie selbst wollten eine Einheit bilden. Doch der beständige Rhythmus verbindet. Es sind diese erfrischenden Triolen und Quintolen, diese Akzente, die behutsam aufgebauten Ritardandi, und zugleich diese unglaublich beständige Monotonie.

Ein immer gleicher Schlag, der Impuls, der Rhythmus. Gestattet mir, daß ich wenig abschweife, doch ich erinnere mich an die letzte Sommersonnenwende. Sie war schon längst vorbei, auf der großen Wiese war Ruhe eingekehrt, die letzten Feuer gaben nur noch kleine Rauchzeichen von sich. Ich saß bereits im Auto, das Autoradio war ausgeschaltet, und in meinen Ohren erklang immer noch der Rhythmus der Trommeln. Man mag der Meinung sein, daß Monotonie doch immer das gleiche - und somit langweilig - ist. Doch sie hat eine sehr aufbauende Wirkung, man kann regelrecht in Trance geraten.

Genau so war es dieses Mal wieder. Dieser treibende Rhythmus, mit den längeren beruhigenden Ruhephasen, hat etwas unglaublich anziehendes und fesselndes. Einige Besucher hatten Gitarren dabei, und auch der Santur-Spieler war wieder dabei. Inzwischen war die Räucherkohle, welche ich vor einigen Dutzend Minuten angezündet hatte, völlig durchgeglüht, und ich legte etwas Weihrauch hinauf.

Weihrauch - ursprünglich Olibanum genannt - reinigt die Luft und vertreibt unangenehme Schwingungen. Es ist vorteilhaft, ihn in der Abenddämmerung zu verräuchern. Denn wenn die Sonne am Zenit steht, ist die Luft zu heiß, und der wertvolle Duft entschwebt einfach nur in die Ferne. Doch bei dieser feuchten Frühlingsluft schwebt er in der gleichen Höhe, und entschwindet nicht. Sein Duft wurde über die ganze Wiese getragen. Zeitweise vermischte ich ihn mit etwas Myrrhe und Salbei.

Beim herumspielen mit der Räucherkohle war ich nicht vorsichtig genug, und eine Brandblase entstand an meinem Finger. Kein Problem dachte ich, solche Brandblasen soll man nicht aufstechen. Doch beim darauffolgenden Djembe-Spiel geschah es, die Blase war der Belastung nicht gewachsen. So etwas wäre ein Grund gewesen, das Spiel auf der Trommel abzubrechen. Doch ich spürte wieder einmal, daß ich mich an einem ganz besonderen Kraftort befand. Ich spürte keinen Schmerz, kein Brennen, es ging einfach weiter.

Der Abend wurde später, und wir entschlossen uns, in der Dunkelheit zu den Poi Dancer zu gehen. Umgangssprachlich sagt man auch Fackeltänzer zu ihnen, und das Spiel mit dem Feuer kann durchaus sehr gewagt sein. Einer Tänzerin schlug bei einer kleinen Unachtsamkeit der brennende Poi mitten ins Gesicht, einem Feuerspucker schlug die Flamme zurück, als sich der Wind ungünstig drehte.

Besondern faszinierend beim Spiel mit dem Feuer in der Dunkelheit ist das ständige Getrommel, und der sehr anmutigende Gesang. Es entzieht sich leider meiner Kenntnis, wie diese Gesangsart heißt, es war auf jeden Fall ein sehr schöner und bleibender Eindruck. Für weiterführende Hinweise bin ich dankbar, insbesondere würde ich interessieren, wie die Sängerin heißt.

Mit dabei waren einige Didgeridoos, und es waren mehrere Profis dabei. Bisher dachte ich, daß ein Didgeridoo eine feste Tonhöhe hat, mit variablem Obertongehalt. Doch es waren einige Spieler dabei, die ihrem Didge sogenannte Glissados entlocken konnten, und sie tonal spielen konnten. So etwas kannte ich bisher noch nicht. Die Didgeridoos waren teilweise aufwändig verziert, es gab sie in verschiedenen Ausführungen, meistens jedoch aus festem Eukalyptusholz oder Bambus.

Einige Spieler verstehen es hervorragend, ihre Zirkularatmung einzusetzen. Hierdurch ist es möglich, den tiefknurrenden Ton minutenlang ohne Unterbrechung zu spielen.

In der Zwischenzeit waren die Poi Dancer immer noch aktiv. Normalerweise bevorzugen sie tiefste Dunkelheit. Durch die Anpassung des Augens (Dunkeladaption) wirken die mit den Pois geschwungenen Figuren besonders eindrucksvoll. In der Nacht vom 30. April zum 1. Mai des Jahres 2007 hatten wir jedoch Vollmond, und sein heller Schein wurde durch diffusen Hochnebel gemildert. Es war eine zutiefst beeindruckende Lichtstimmung, leider hatte ich nur meine Digitalkamera dabei, die für Aufnahmen in der Dunkelheit völlig ungeeignet ist.

Inzwischen war es deutlich nach Mitternacht, und überall wurde getrommelt, gesungen und getanzt. Doch irgendwann wurde es mir zuviel, und ich wollte etwas Ruhe haben. Also machte ich einen kleinen Spaziergang. Mein Weg führte mich an der kleinen Holzhütte vorbei, dort stand ein Polizeiauto, um gegebenfalls einschreiten zu können, falls eine unangemessene Situation entsteht. In den vergangenen Jahren war dort immer ein hohes Aufgebot an Einsatzfahrzeugen zu sehen, von der Feuerwehr, dem technischen Hilfswerk (THW), und der Polizei. Doch bei so einem friedlichen Publikum gibt es so gut wie nie einen Anlaß, einschreiten zu müssen. Somit zeigt die Polizei zu Recht ihre notwendige Präsenz, alle sind friedlich, und gemeinsam ist man eine tolle Gemeinschaft.

Mein Weg führte mich direkt zwischen den Steinen hindurch zum See. Vor vielen Jahren, so steht es in verschiedenen Quellen, führte eine Landstraße direkt zwischen die Felsen. Zum Glück ist es heutzutage nur noch ein kleiner Waldweg. Am Ende des Sees befinden sich zwei Sitzbänke, die zum verweilen einladen.

So langsam wurde es kalt, und ich war froh, mich trotz der sommerlichen Temperaturen, die mich tagsüber noch so angenehm gewärmt hatte, meine warme und wollene Unterwäsche anzuhaben. Manch einer mag ja Wollkleidung für altmodisch halten. Doch bei kalter und zugleich feuchter Luft hält sie angenehm warm.

Über den See bildete sich ein dünner Nebelfilm, dazu dieses kalte und fast dämonische Licht vom Vollmond, ich genoß die Zeit und die Ruhe. Nach einer kurzen Pause setzte ich meinen Weg fort, und ich kam zu dem kleinen Abzweig, wo es zu der kaum bekannten Feenwiese geht. Der Weg war steinig, man mußte genau aufpassen, wo man hintritt. Obwohl ich eine Taschenlampe dabei hatte, benutzte ich sie nicht. Denn wenn sich die Augen erst einmal an die Dunkelheit gewöhnt haben, kann man schon ein wenig erkennen. Das grelle Licht der Taschenlampe würde sofort die Dunkelanpassung des Auges stören, und man könnte für die nächsten Minuten nicht mehr so gut sehen.

Fast vor dem Ziel angekommen, es fehlten nur noch ca. 30 Meter, blieb ich stehen. Auf der Feenwiese fand gerade eine Zeremonie statt, da wohlte ich nicht stören. Es gehört zum guten Anstand, bei Ritualen und Zeremonien gebührenden Abstand zu halten. Schweigend zog ich mich zurück.
 

Bilder von den Externsteinen, Beltain 2007:    Vorschaubilder  1   2   3